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Aufgrund der Corona-Schutzverordnung ist das Museum bis einschließlich 20. Dezember geschlossen.

Eisen-Skulptur: Ein Männchen schiebt einen Grubenwagen

Vorschau: Revierfolklore

Zwischen Heimatstolz und Kommerz

1.12.2020 – 8.8.2021

Förderwagen im Vorgarten, Schlägel und Eisen als Schlüsselanhänger und Ruhrpott-Schriftzüge auf T-Shirts – im Alltag finden sich viele Andenken an den Bergbau im Ruhrgebiet. Einige stehen nicht mehr für die Arbeit auf der Zeche, sondern markieren ein besonderes Lebensgefühl und die Verbundenheit mit der Region. Doch was steht hinter dieser Revierfolklore? Ist sie ein Ausdruck von Heimatstolz oder Folge einer Vermarktung der Erinnerung und Kommerzialisierung der Region? Mit diesen Fragen setzt sich die Ausstellung auseinander.

200 Exponate

Gezeigt werden mehr als 200 Exponate: alte und neue Stücke aus Kohle und Kunststoff, Metall und Vinyl, Andenken und Objekte aus der Imagewerbung, dem Fußball, der Musik sowie der Ess- und Trinkkultur des Reviers. Das Spektrum reicht vom Wandteppich über Skulpturen bis zu „Bergmännischen Geduldsflaschen“ und kuriosen Objekten wie Plüschpantoffeln mit Förderturm, Bade-Enten in Kumpel-Kluft und einer Eieruhr mit Schlägel und Eisen, die das Steigerlied spielt. An Hörstationen können Besucher Musik aus dem Revier lauschen.

Ergänzt wird die Schau durch Fotografien von Förderwagen, die Museumsfotograf Martin Holtappels in einer Serie dokumentiert hat. Auf einer interaktiven Karte (siehe weiter unten) sind inzwischen über 1.000 Exemplare zu sehen.

Themen der Ausstellung

Bergbausymbole und Traditionspflege

Symbole aus dem Bergbau begegnen uns im Ruhrgebiet auf Schritt und Tritt. Der Ruhrbergbau hat traditionelle Symbole wie Schlägel und Eisen aus alten Bergbaurevieren übernommen und teilweise neu gestaltet.

Obwohl die Zeiten des Steinkohlenbergbaus in den meisten Städten des Ruhrgebiets schon lange vorüber sind, pflegen Knappen- und Traditionsvereine bis heute die bergmännische Traditionen. Barbarafeiern und Knappenumzüge sind wichtige wiederkehrende Ereignisse des Vereinslebens. Ein aktuelles Film-Feature gibt in der Ausstellung Einblick in diese Tradition.

Fußball, Bier und Currywurst

Vom Kohlenpott zum Ruhrpott: Das Image des rußgeschwärzten Kohlenpotts prägte lange das Bild des Reviers. Städtewerbung und regionale Imagekampagnen setzten seit den 1980er Jahren Bilder von grünen und dynamischen Städten dagegen. Plakate und Imagebroschüren zeugen von den breit angelegten Kampagnen „Ein starkes Stück Deutschland“ und „Der Pott kocht“, mit denen der Kommunalverband Ruhrgebiet für ein neues, gemeinsames Image der Region warb.

Fußball und Ruhrgebiet gehören für viele Menschen einfach zusammen. Viele Fußballvereine im Ruhrgebiet berufen sich auf eine tiefe Verwurzelung im Arbeiterund Bergbaumilieu. Dies spiegelt sich in der Fankultur des Reviers, aber auch im Marketing der Vereine wider.

Die Erinnerung an die glanzvollen Zeiten des FC Schalke 04 und der Oberliga West sind ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur im Ruhrgebiet. Fußball hat heute eine große Bedeutung als identitätsstiftender Faktor im Ruhrgebiet.

Bier und Currywurst gelten als typisch für das Ruhrgebiet. Mit der Entstehung der Großbrauereien in der Region entwickelte sich der Dreiklang von Kohle, Stahl und Bier im Revier. Heute werben die Brauereien wie Fiege oder Brinkhoffs im Ruhrgebiet mit ihrer Verbundenheit zur Region. Mit Flaschen, Werbeschildern und „Ruhrpott-Curry-Ketchup“ setzt die Ausstellung die kulinarische Seite des Reviers in Szene.

Das Ruhrgebiet in Liedern, Film und Comedy

Vom Schlager bis zum Gansta-Rap: Die Musikszene des Ruhrgebiets bedient sich in ihren Liedtexten über alle Genres hinweg der gängigen Symbole und Klischees des Reviers. In dieser Ausstellungsabteilung gibt es nicht nur jede Menge Plattencover und CDs zu sehen, sondern auch Kostproben für die Ohren – von Wolle Petry bis zum Knappenchor. Das Steigerlied nimmt heute oft die Bedeutung einer Hymne der Region ein – bei bergmännischen Feiern genauso wie in den Fußballstadien.

Ob Bergmann mit Mutterwitz, schrulliger Rentner oder prolliger Angeber mit dem Herz am rechten Fleck: Film und Comedy aus dem Ruhrgebiet greifen die Klischees und Stereotypen des typischen „Ruhris“ auf, vertiefen und variieren sie. Der Nachwuchswettbewerb „Tegtmeiers Erben“ entwickelt aus der Tradition der Ruhrgebietscomedy neue Formen und Formate. Die Siegertrophäe des Wettbewerbs, eine Tegtmeier-Mütze aus Bronze, ist in der Ausstellung ebenso zu sehen wie der Förderwagen des "Steigers“ aus der Ruhrgebietscomedy „Geierabend“.

Andenken aus dem Revier

Die Folklorisierung des Ruhrgebiets zeigt sich heute in einer Vielzahl von Andenken und Souvenirs. Ob Kaffeebecher, T-Shirt oder Badehandtuch – viele Objekte zeigen Symbole des Bergbaus und der Region. Die Bandbreite reicht von der nostalgischen Verklärung des Bergbaus bis hin zur künstlerischen Bearbeitung der Skyline des neuen Ruhrgebiets als Ruhrpott mit Industriedenkmalen und Landmarken.

Symbole aus der Montanindustrie stehen heute nicht mehr für die aussterbende Branche des Bergbaus, sondern haben sich vielmehr zu Zeichen  für die gesamte Region und einer Identifikation mit dem neuen, gewandelten Revier entwickelt.

Katalog

Revierfolklore

Zwischen Heimatstolz und Kommerz. Das Ruhrgebiet am Ende des Bergbaus in der Populärkultur. Hg. LWL-Industriemuseum, Dietmar Osses und Lisa Weißmann. 272 Seiten, Essen 2018, ISBN 978-3-8375-1957-0. 19,95 Euro

Katalog Cover

Förderwagen im Revier

Interaktive Karte mit Fotografien von Martin Holtappels

Im Rahmen der Ausstellung hat Museumsfotograf Martin Holtappels Förderwagen im Ruhrgebiet und darüber hinaus aufgespürt und fotografiert. Seine Serie umfasst inzwischen mehr als 1.000 Aufnahmen. Auf einer interaktiven Karte können Sie die Objekte an ihren Standorten sehen. 

Zur Karte auf Google Maps (externer Link)

Präsentation einer Auswahl der Förderwagen-Fotos von Martin Holtappels auf der Zeche Hannover (2018).